Sie sind hier: Home » Pluggendorfer Schützen » 125 Jahre


Vom 29.6. - 2.7.1935 feierte man das 125jährige Bestehen der Schützengesellschaft. Trotz der bestehenden "unrühmlichen" politischen Verhältnisse begann das Fest mit einem feierlichen Gottesdienst in der St. Antoniuskirche. Das Festprogramm entsprach dem jubelnden Anlass. Man feierte über das Wochenende bis einschließlich Montag.

Der Gesellschaft gehörten weit über 200 Mitglieder an. Der Festzug war entsprechend. Neben den Aktiven der Gesellschaft fanden sich viele Abordnungen der Nachbarvereine und Freunde ein, um am Zug teilzunehmen. Alles nahm einen hervorragenden Verlauf. Pluggendorfs Schießriege tat sich mit sehr guten Leistungen beim Fest des Schützenbundes hervor. Der Schießsport wurde besonders (aus heute bekannten Gründen) vom Staat gefördert. Trotzdem war man stolz über die Erfolge ... und das mit Recht.

Doch immer zunehmender wurden Versammlungen größerer Gruppen und Vereinigungen misstrauisch beobachtet, bis der sich bereits abzeichnende und dann beginnende 2. Weltkrieg das vorläufige Ende aller Vereinstätigkeit brachte.

Während der langen Jahre der Auseinandersetzungen fanden einige Schützenbrüder den Tod, andere wurden vermisst. Münster wurde zum Trümmerfeld. Der Fleiß aller - jung und alt - ließ Münster bald wieder aus den Trümmern entstehen.

Das Leben ging weiter, und so konnte es nicht verwundern, dass auch die Pluggendorfer Schützengesellschaft einen Neuanfang wagte. Dazu traf man sich am 11.7.1947 zu einer Vorstandssitzung und führte am 27.7.1947 eine Mitgliederversammlung durch. Man einigte sich darauf eine Bruderschaft zu sein und beschloss schon bald, einen Ausflug in die nähere Umgebung zu machen, um sich erstmals wieder kameradschaftlich näher zu kommen. Dem Neuanfang im Jahre 1947 folge am 5.7.1948 das erste Schützenfest nach der langen Zwangspause. Die Ausübung des Vereinslebens in wieder gewonnener Freiheit brachte auch den Pluggendorfer Schützen gute Anfangserfolge.

Den rührigen Vortandsmitgliedern gelang es, neue Aktivitäten einzubringen. Der natürlich zurückgegangene Mitgliederbestand bewirkte eine Neuorientierung und strukturelle Wandlung. Dabei blieb erklärtes Ziel die Beibehaltung alter Traditionen.

Der Zugang von Neubürgern, darunter auch die eine neue Heimat suchenden Vertriebenen, belebte ganz allgemein auch das Vereinsleben. Insbesondere die Vereine trugen wesentlich dazu bei, dass die Einbürgerung gelang. Anpassungsfähigkeit auf der einen und Toleranz auf der anderen Seite bildeten das Fundament des baldigen guten Zusammenlebens.

Für viele bestand ein Nachholbedarf am gemeinsamen Miteinander. Das Bedürfnis, heimatliches Brauchtum zu pflegen, ist besonders in Krisenzeiten spürbar. Die Tendenz, vielleicht sogar die Tatsache, dass in den Schützengesellschaften die Möglichkeit besteht, zwanglos auf vielen Ebenen gesellschaftliche Verbindungen zu knüpfen, sollte dabei auch richtig eingeschätzt werden. Eine besondere Fügung war es wohl, dass das Schützenfest viele Jahre hindurch in einem Festzelt hinter der Torminbrücke durchgeführt werden konnte. Die Gesellschaft hatte hierdurch die Möglichkeit, sich sichtbar in Szene zu setzen.

Alles wurde von der Bevölkerung angenommen, hatte man doch lange auf frohe Feste dieser Größenordnung  verzichten müssen. Es trafen sich nicht nur die Mitglieder der Gesellschaft, sondern auch viel "Volk" aus dem Umfeld von Pluggendorf. Alle zog es hin zur Festwiese. Ursächlich hierfür sorgte ein aus jungen eingesessenen "Dörflern" gewählter Vorstand unter der sicheren Hand des unvergessenen, lang im Amt tätigen Vorsitzenden und oberst Franz Steinkamp. Aber auch sein Nachfolger Hermann Kempener zeigte alten Schützenfest und stand seinem Vorgänger in nichts nach.

Am Haupttag des Schützenfestes zogen munter die Spielleute, angeführt vom Waffenoffizier Hans Lotz, weckend durch die Straßen des Pluggendorf-Viertels. Dies alles zu sehr früher Morgenstunde, wobei bei den "Honoratioren" besondere Station gemacht wurde. Erst nach einer "Flüssigen Stärkung" ging es weiter bis zum amtierenden König, der sich gern zuständig zeigte für ein deftiges Frühstück. Schließlich war man ja auch seit früher Stunden auf den Beinen.

Überhaupt zeigte man sehr viel Verständnis für Traditionen. Selbst die Weseler Straße (Bundesstraße) wurde immer für den schmucken Schützenumzug offen gehalten. Dafür galt den wachenden Polizeibeamten ein herzlicher Gruß der Majestät und des Oberst. Der Oberst und sein Adjutant saßen natürlich hoch zu Ross, der König bediente sich einer Kutsche.

Im Winterhalbjahr 1958/1959 kam es zum Streit zwischen meist jungen Mitgliedern und dem Vorstand um die Einrichtung einer Jungschützenriege. Da eine Einigung mit dem damaligen Vorstand nicht zu erzielen war, gründete sich am 22.2.1959 in der Gaststätte Lühn ein neuer Schützenverein, die Pluggendorfer Jäger von 1959.